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Reifere Frauen haben es schwerer

Kathrin Grüneis vermittelt in ihrer Partneragentur freie Herzen. Manchmal weiss die 46-Jährige auf Anhieb, welche ihrer Kunden zueinanderpassen.

Mit Kathrin Grüneis sprach Marcel Reuss

Frau Grüneis, da liegt eine Box mit Kleenex. Bringt der Wunsch nach Liebe Ihre Kunden zum Weinen?
Die Box hat der Kollege hingestellt, ein Coach, mit dem ich dieses Büro teile. Aber ja, geweint wurde bei mir auch schon. Eine Frau, die zwar jemanden suchte, sich von ihrem Ex-Mann aber absolut noch nicht gelöst hatte. Ein Jahr später kam sie wieder.

Was können Sie als Partnervermittlerin, was das Internet nicht kann?
Wer zu mir kommt, sucht ernsthaft einen Partner, was meinen Mitgliedern wiederum Sicherheit gibt, weil sie den genauso ernsthaft suchen. Im Internet ist die Hemmschwelle niedriger. Man hat noch einen Mann, eine Frau und checkt trotzdem mal schnell seinen Marktwert. Oder sucht jemanden für eine Affäre, ohne dass man das angeben würde.

Umgekehrt gefragt: Was kann die Online-Partnersuche besser als Sie?
Da ich persönlich mit den Leuten spreche, ist meine Kapazität begrenzt und meine Datenbank kleiner. Im Internet ist die Auswahl viel grösser. Die Frage ist, was mehr zählt: Quantität oder Qualität?

Vielleicht der Preis? Was würde es mich kosten, eine Frau zu finden?
Ich biete eine passive und aktive Form von Mitgliedschaft an. Passiv heisst, Sie sind bei mir in der Datenbank. Sucht eine Dame nach jemandem wie Ihnen, kommen Sie zum Zug. Bei der aktiven Mitgliedschaft garantiere ich vier bis sechs Vorschläge, Sie können alle Damen treffen, die bei mir in der Kartei sind. Dazu suche ich aktiv in meinen Netzwerken nach jemand Passendem.

Und wie viel würde es kosten?
Das sage ich Ihnen gerne, wenn Sie tatsächlich Mitglied werden wollen.

Sie hätten den schönsten Beruf der Welt, schreiben Sie auf Ihrer Website. Was sind dessen unschöne Seiten?
Zwei Menschen glücklich zu machen, das ist mein Wunsch und Ziel. Nur braucht es manchmal Zeit, bis der Passende da ist. Oder – wie im richtigen Leben – jemand verliebt sich, der andere nicht. Das dann beizubringen, hat schon etwas Trauriges.

Erhalten Sie nachts Anrufe von aufgelösten Kunden?
SMS kriege ich öfter und klar ruft auch mal jemand an, etwa aus Verzweiflung, wenn der Mann davongelaufen ist. In einer solchen Situation kann ich aber auch nicht mehr tun, als sie an die Fachleute weiterzuverweisen, mit denen ich zusammenarbeite.

Wenn Sie jemanden sehen, wissen Sie gleich, wer passen würde?
Das ist mir tatsächlich schon passiert, und es hat funktioniert. In der Regel ergibt sich das aber aus dem Gespräch und aus den Feedbacks, die ich nach einem Treffen erhalte. Ich weiss ja nicht, wie sich jemand in einem Date verhält.

Welche Illusion müssen Sie zuerst abbauen?
Ich muss klarmachen, dass ich zwar Vorschläge bringen kann, ob es aber funkt, darauf habe ich keinen Einfluss.

Was haben Sie in den zwei Jahren über Mann und Frau gelernt?
Mir ist bewusster geworden, wie viel mehr Frauen es gibt, die offen sind für eine neue Beziehung. Dass Männer, je älter sie sind, eine grössere Auswahl haben, reifere Frauen es aber schwerer haben, jemanden zu finden. Weil die Männer jemand Jüngeres suchen. Weil es gemäss Alterspyramide weniger Männer gibt und diese dann auch noch zurückhaltender sind. Dann noch, wie sehr Perfektionsvorstellungen einem im Wege stehen können. Es ist okay, wenn man Mister oder Miss Right sucht, muss es aber Mister oder Miss Perfect sein, dann wird es schwierig.

Zeitungsausschnitt von freieherzen.ch im Tages-Anzeiger vom Juni 2013