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Headhunterin der Herzen

Kathrin Grüneis bietet etwas, was bei einer Partnervermittlung selten ist: Sie kennt und coacht jeden Kunden persönlich. Damit die Chancen so optimal wie möglich stehen – und Amors Pfeil ins Schwarze trifft

An einem jener deprimierenden Wochenenden lag Kathrin Grüneis im Bett. Gekränkt und niedergeschlagen. Die Trennung von ihrem Mann machte ihr zu schaffen. Aber in den Händen hielt sie kein Kleenex, sondern die „Neue Zürcher Zeitung“: Sie studierte die Partneranzeigen. Denn verzagen ist nicht ihr Ding, in Herzensangelegenheit schon gar nicht. Ein paar Tage später sass sie in einer Agentur in Küsnacht und liess sich in die Kartei auf nehmen. Das war vor zehn Jahren. „Meine Freundinnen erklärten mich für verrückt, dass ich mit 35 eine Partnervermittlung aufsuchte!“, erzählt Kathrin Grüneis. Doch für sie war es das Richtige: Heute hat sie nicht nur einen neuen Lebensgefährten, sondern auch
ihre eigene Kennenlernagentur „Freie Herzen“. Wie Kathrin Grüneis’ Freundinnen denken viele. Sie meinen, Partnervermittlungen seien bloss etwas für graue Mäuse und Beziehungsunfähige, für Restposten eben. Wie ein Restposten sieht Kathrin Grüneis aber nicht aus. Eher wie eine moderne Amazone. Gross, schlank, immer in Bewegung, sprühend vor Energie und Lebenslust. So eine muss doch nur einmal um den Block ziehen und hat fünf Typen im Schlepptau, denkt man. „Ins Gespräch komm ich immer mit jemandem“, stimmt sie zu. „Aber gefällt mir einer wirklich, bin ich schüchtern.“ Ausserdem sei man ab 30 nicht mehr so offen und unkompliziert wie mit 20. Oft sogar verkrampft und gestresst. Wenn Mr. Perfect vor einem stünde, würde man ihn vermutlich gar nicht wahrnehmen, glaubt Kathrin Grüneis. Den richtigen Gefährten zu finden, dafür braucht’s manchmal Geduld und immer Unvoreingenommenheit. So war es auch damals bei ihr. Es hat Jahre gedauert. Jahre, in denen sie „immer wieder tolle Männer vermittelt bekam“. Ihren heutigen Lebensgefährten wollte die gebürtige Bayerin zuerst übrigens gar nicht treffen. Denn sie suchte einen nichtrauchenden und kinderlosen Single. Ihre Verabredung jedoch rauchte und hatte zwei Kinder. Es wurde trotzdem ein sehr schöner Abend und zwei Jahre später war ihre Tochter Charlotta unterwegs. Die 45jährige Betriebswirtschafterin kann sich für Menschen begeistern und glaubt auch an schicksalhafte Begegnungen. Trotzdem findet sie es angebracht, dem Liebesglück auf die Sprünge zu helfen. Und weil sie selbst so gute Erfahrungen mit einer Kennenlernagentur gemacht hat, gründete sie vor einem Jahr „Freie Herzen“. Eigentlich unterscheide sich die Arbeit gar nicht so sehr von ihrem früheren Job, findet die ehemalige Relationship Managerin, die jahrelang im medizinischen Bereich arbeitete. Vermittelte sie früher zwischen Ärzten und Krankenschwestern, sind es heute Menschen mit Sehnsucht. Schon in ihren 20ern war sie bekannt dafür, die richtigen Leute zusammenzubringen. „Mädels, ich hab da ein paar gute Jungs“, pflegte sie ihren Freundinnen zu sagen und lud dann alle zur Stehparty in ihre Einzimmerwohnung ein, in der magischerweise bis zu 120 Leute Platz fanden. Am Tag danach verschickte sie einen offenen Dankesbrief mit allen Koordinaten. Ganz unverfänglich. Im Schnitt bildeten sich pro Party zwei Paare. Heute schreitet sie direkter zur Tat. In ihrem Büro an der Zürcher Löwenstrasse empfängt sie ihre Kunden. Um ein Konterfei der potenziellen Partner bittet man sie jedoch vergebens. Es gibt keine Fotos. „Fotos sind immer nur Momentaufnahmen. Gerade Frauen sehen in Natura oft ganz anders aus!“ Umso wichtiger ist ihr das persönliche Gespräch. Sie will ihre Kunden wirklich kennenlernen. Sie lässt sie nicht einfach einen NullachtfünfzehnFragebogen ausfüllen und dann ab in die Kartei. Was nicht heisst, dass es keine Fragen gibt. Aber eben solche, die sie sorgfältig ausgetüftelt hat. Und die Antworten lässt sie auch nicht einfach so stehen. Sie ist eine, die nachhakt. Nicht dass einer Golfen als Hobby angibt, aber auf sein Handicap angesprochen verdutzt an sich runterschaut und sagt, ich hab doch nix. Alles schon dagewesen. Nach einem Gespräch schreibt sie die Eindrücke auf, die sie von dem Menschen gewonnen hat, ihre Assoziationen auch. Kathrin Grüneis will nicht einfach hau ruck vermitteln, sondern Menschen zusammenführen, die wirklich zuein ander passen. Dabei verlässt sie sich vor allem auf ihr Bauchgefühl. Wie damals, als diese urbane Powerlady aus der ITBranche in ihrem Büro sass und bei Kathrin Grüneis das innere Glöckchen leise läutete. Woraufhin sie ein Treffen mit einem zünftigen Landschaftsgärtner mit Tatoos am Arm und Ring im Ohr arrangierte. Er sei schon ein wenig ländlich, lautete das pikierte Feedback. Dann hörte Kathrin Grüneis drei Monate lang gar nichts mehr. „Die sind beide stinksauer auf mich“, bangte sie bereits. Doch dann kam der Brief. „Ich wusste doch, dass Sie sich etwas dabei gedacht haben“, schrieb die ITLady überglücklich. Das war vor einem knappen Jahr. Die beiden sind immer noch im siebten Himmel. Dass Amors Pfeil beim ersten Date ins Schwarze trifft, ist ein seltener Glücksfall. Aber dass er es irgendwann ganz sicher tut, liegt daran, dass die Menschen, die zu Kathrin Grüneis kommen, wirklich ein freies Herz haben und offen für eine Beziehung sind. „Ich habe am eigenen Leib erfahren, dass viele, die auf Internet Plattformen einen Partner suchen, einfach ihren Marktwert checken wollen, sich hinter ihrem Profil verstecken oder sogar in festen Händen sind.“ Solche Typen gibt es bei ihr nicht. Trotzdem muss sie die Erwartungen ihrer Kunden immer wieder herunterschrauben. „Ich sag niemandem, ich hätte den Clooney in der Kartei.“ Manche sind von ihrer Ehrlichkeit sogar schockiert. Denn von ihr hört man nicht, super, ich hab genau den Richtigen für Sie. Sondern: Ups, drei Kinder haben Sie! Da muss ich kurz nachfragen. Es ist nicht Kathrin Grüneis’ Ehrgeiz, möglichst viele Dates zu vermitteln. Ihr geht es darum, die Persönlichkeit des Menschen, der da hoffnungsfroh vor ihr sitzt, auszuloten. Vier bis sechs Partnervorschläge bekommt man im Jahr von ihr. Und den Rat, sich für das erste Treffen zwei bis drei Stunden Zeit zu nehmen, auch wenn der andere nicht die Nase hat, die einem gefällt. „Ich gehe davon aus, dass ich jemanden in spätestens anderthalb Jahren losbringe“, formuliert sie ihren Anspruch flapsig. Eine Witwe in den 70ern, die fünf Jahre zuvor ihren Mann verloren hatte, aber nicht mehr immer alleine essen und vielleicht auch wieder eine Prise Romantik erleben wollte, begleitete sie sogar ans erste Date. Sonst würde sie womöglich noch den Falschen ansprechen, befürchtete die alte Dame. Aber es war der Richtige: „Sie trifft sich immer noch mit ihm und informiert mich alle zwei Monate über den Stand der Dinge.“ Für die Liebe ist es nie zu spät. „Aber es braucht Mut, in diesem Alter wieder zu daten.“ Für „Freie Herzen“ ist Kathrin Grüneis immer auf Empfang. Auch bei den Lunchtreffen von Xing, bei denen man sich ständig zu anderen Tischpartnern setzt, sind ihre Fühler ausgestreckt. Einmal wollte es der Zufall, dass ein junger Herr zum dritten Mal neben ihr landete. Er sah das als Zeichen und meldete sich bei „Freie Herzen“ an. Aber er war nur kurz Kunde, weil es mit der Liebe gleich beim ersten Anlauf klappte. Für Kathrin Grüneis war der Sprung in die Selbstständigkeit die beste Entscheidung. Erstens hatte sie schon immer davon geträumt. Zweitens glaubt sie, dass sie Chefs schnell überfordere, besonders in der Schweiz, „so deutsch, gross und mit einer ebensolchen Klappe“. Die Klappe kommt ihr zugute, wenn sie wildfremde Menschen anspricht. So wie kürzlich, als sie im Dirndl auf der Strasse Herzen mit ihrem Firmenlogo verteilte. Nur wer sich selbst lebt, kann andere glücklich machen. Und genau das hat sich die Headhunterin in Liebesdingen gross auf ihre Fahne geschrieben. Damit ihre Kunden nach einem Jahr sagen können: Die hat mich nicht auf den Arm genommen, die hat’s ernst gemeint.

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Zeitungsausschnitt von freieherzen.ch im Emotion vom Oktober 2012