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«Es wird immer Liebeskranke geben»

Die Paarvermittlerin Kathrin Grüneis aus Zürich glaubt an Liebe auf den zweiten Blick – den die Partnersuche im Internet nicht zu bieten hat. Seit zehn Jahren verkuppelt die gebürtige Bayerin Paare. Aber Corona hat ihr Business verändert – der Zulauf ist so gross wie nie zuvor.

Zwei flauschige Sessel, dazwischen ein Tischchen mit Zuckerdose – natürlich in Herzform: In Kathrin Grüneis’ spartanisch eingerichtetem Büro an der Löwenstrasse in Zürich schüttet sicher jede und jeder liebeshungrige Single gern sein Herz aus. Aber das hat vielleicht auch weniger mit dem Büro, sondern mit der 54-jährigen Paarvermittlerin zu tun. Sie erzähle von Natur aus viel von sich selber – das senkt die Hemmschwelle auch für ihre Kunden. Ihr Firmenname «freieherzen.ch» ist Programm: Wer sich bei ihr anmeldet, muss offen für eine Beziehung sein. Das ist gleichzeitig der Grund, weshalb sie nicht um die Zukunft ihres Berufes fürchtet. «Genauso wie es immer Kranke geben wird, wird es immer Liebeskranke geben.» Dass die lebhafte Bayerin nicht Vollblutschweizerin ist, sieht sie als Vorteil: «Das schreckt die Schweizer Kundinnen und Kunden weniger ab. Ausserdem bin ich direkter als üblicherweise die Schweizer», sagt die Paarvermittlerin. «Und die Ausländer glauben vielleicht, als Doppelbürgerin könnte ich sie besser an den Mann oder die Frau bringen.» Schon vor 25 Jahren, als sie in die Schweiz kam, habe sie gewusst: Ich werde nicht als «Haubentaucherin » (ein Schimpfwort in Bayern für Durchschnitt) im Schatten meines Partners koexistieren. Den Vater ihrer Tochter lernte sie selber mit 35 Jahren als Kundin bei einer Partnervermittlerin kennen. Als sie ihr aus Neugierde Jahre später angerufen hat, hatte diese bereits wieder aufgehört: «Ihr war das Internet zu starke Konkurrenz geworden.»

Analoge Partnersuche
Kathrin Grüneis’ Erfahrung ist eine andere: Auf Online-Datingseiten lassen sich Hobbys, Beruf, Ausbildung, und gewisse Eigenschaften erheben – aber sie «entdeckt» einen möglichen Match nicht über das Abgleichen einer Checkliste mittels Algorhythmus, sondern über das persönliche Gespräch. «Wichtig ist da auch, was und vor allem: wie etwas zwischen den Zeilen gesagt wird.» Wer nimmt ihre Dienste also in Anspruch? Sie habe tendenziell gut situierte Kundinnen und Kunden, aber auch Durchschnittsverdiener, und demografisch sei alles dabei. Eines hätten alle gemeinsam: «Wer zu mir kommt, will Verbindlichkeit. Daher habe ich eine recht gute Auswahl an Frauen.» Um ihre Kundenkartei mit rund 700 Dossiers zu ergänzen, spricht Grüneis manchmal selber Menschen an mit der Frage, ob sie diese als potenzielle Single-Kontakte aufnehmen darf. So kam es zum ersten Kontakt mit ihrem heutigen Ehemann, dem Meteorologen Thomas Bucheli (damals frisch Single). Bucheli lehnte zwar ab, doch stattdessen fanden die beiden zueinander – und sind nun seit vier Jahren verheiratet. Der «Wetterfrosch» wurde zum Prinzen. Dass er ein «geerdeter, normaler Schweizer» sei, schaffe auch bei Schweizer Kunden Vertrauen, vermutet sie. Denn viele Abzocker schadeten dem Ruf der Branche. Was die Frage nahelegt: Gibt es auch behördlich verbindliche Vorschriften? Gemäss Obligationenrecht verpflichten sich Partnervermittlungsdienste unter anderem zur «Pflege der Datenbasis», ausserdem müssen sie mindestens vier Vorschläge beziehungsweise Treffen pro Jahr ermöglichen. «Bei Frauen über 60 kann das schwierig sein – bei Männern im selben Alter habe ich zuhauf Vorschläge», weiss Grüneis. Sie selber wertet eine Vermittlung als Erfolg, wenn die Paare mindestens ein halbes Jahr zusammen sind – Strohfeuer also nicht mitgezählt. Zu normalen Zeiten finde sich alle vier bis acht Wochen ein Pärchen, zurzeit seien es sogar mehr.

Viel Zulauf vor Weihnachten
Bei Grüneis beginnt das Weihnachtsgeschäft sozusagen bereits im Herbst. Viele Anmeldungen gehen bei ihr gegen Ende September ein. «Das Bewusstsein dafür, was es bedeutet, allein zu sein, ist sicher geschärft worden durch Corona. Zudem merken viele, dass sie gegen Ende Jahr nicht allein sein wollen.» Unabhängig von der Jahreszeit gibt es eine Wetterlage, welche die Singles förmlich in die Paarvermittlung treibt: Wenn sich der Himmel nach einer düsteren, feuchten und kalten Periode aufhellt und die Menschen ins Freie treibt – am liebsten zu zweit. Seit zehn Jahren führt sie nun ihre eigene Partnervermittlung. Doch richtig in Fahrt kam ihre kleine Einzelfirma und heutige AG, als Tageszeitungen und Zeitschriften über sie berichteten. Corona verstärkte diesen Trend – ein Stresstest für ihre Firma: «Ich wurde 2020 förmlich überrollt und habe gemerkt: Ich kann das nicht mehr allein bewältigen.» Im vergangenen Winter musste sie eine zweiwöchige Auszeit nehmen. Auch mit ihrer Tochter und ihrem Mann täglich im Homeoffice zu sein, sei eine grosse Herausforderung gewesen. «Ich habe da die Paarvermittlung nicht aktiv beworben: Der Bundesrat hat ja geraten, zu Hause zu bleiben – da kann ich nicht sagen: Geht hin und mehret euch.» Sowohl der Zulauf als auch die Trefferquote stieg nach den Öffnungen im März und April 2021 rasant an. So stellte sie eine Psychologin an der Front und eine Assistentin im Backoffice an, die sie beide privat kannte.

«Der Bundesrat hat geraten, zu Hause zu bleiben. Da kann ich ja nicht sagen: Geht hin und mehret euch.»

Einsame Geschäftsleute
Kathrin Grüneis sieht auch gute Gründe für Kadermitarbeiter und Geschäftsführer, sich Hilfe zu suchen bei der Partnerwahl: «In oberen Etagen wird es dünn mit der Auswahl: Da kommen die Leute dann zu mir. Wo lernt man sich sonst kennen, wenn Apéros nicht mehr stattfinden können?» Gerade in kleinen Firmen und Familienunternehmen sei es nicht immer ratsam, firmenintern eine Liaison einzugehen. «Wenn die Beziehung scheitert, muss sich meist einer der beiden etwa Neues suchen – und das ist meistens die Frau.»

Zeitungsausschnitt von freieherzen.ch im Zürcher Wirtschaft vom August 2021