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Dem Adam eine Eva vermitteln

«Ich hatte noch nie so viele Interessierte wie nach dem Corona-Lockdown»

Als Sie eben in mein Büro eintraten, habe ich mir sofort überlegt, zu welcher Frau in meiner Kartei Sie passen würden – jetzt nur mal rein äusserlich. Ich bin Partnervermittlerin. Das Wort «Single» mag ich nicht so, ich sage lieber «freie Herzen». Darum heisst meine Agentur in Zürich auch so. Ich wuchs in Bayern auf und studierte BWL. Schon als Studentin verkuppelte ich Bekannte mit Partys in meiner Wohnung: 40 Leute auf 40 Quadratmetern – da lernt man sich unweigerlich näher kennen. Als Kind sagte ich, ich wolle mal sechs Kinder von sechs Männern. Heute habe ich eine Tochter. Deren Vater, von dem ich getrennt bin, lernte ich über eine Partnervermittlung kennen. Warum ich das tat? Ich hatte es satt, im Ausgang angebaggert zu werden. Ich wollte etwas Ernstes, eine Familie gründen. Das ist noch heute ein Hauptgrund, warum Frauen zu mir kommen. Ich betitle meine Kunden als Adam und Eva. Sucht Er also eine Sie, kommt er zu mir zum Gespräch. Wir reden über ihn und wie seine Eva sein sollte. Ich frage nach Ausbildung, Arbeit, Freizeit, Charakter, Optik, Rauchen, Haustiere – ich will den ganzen Adam erfassen. Mit diesen Daten – zusammen mit meinen Gesamteindrücken, meiner Erfahrung und meinem Bauchgefühl – empfehle ich ihm dann eine Eva. Vor dem ersten Date bekommt keiner der beiden Foto und Familienname des anderen. Sonst googeln sie sich oder bilden sich wegen des Fotos ein voreiliges Urteil. Gerade bei all den Online-Singlebörsen wird das Äussere extrem überbewertet, was selten gut kommt. Natürlich will auch bei mir keine «en Wüeschte», aber so manche Person ist beim Date derart interessant, dass die Optik plötzlich zweitrangig wird. Meine Adams und Evas sind zwischen 27 und 82. Bei Damen über 60 herrscht Überschuss, die meisten gleichaltrigen Männer suchen etwas Jüngeres. Dabei haben Frauen Ü55 so viel zu bieten. Viele suchen meine Hilfe, weil sie schüchtern sind, nicht wissen, wo sie jemanden kennenlernen können, oder weil sie in einer hohen beruflichen oder gesellschaftlichen Position sind, die es schwierig macht, frei und anonym die Liebe zu finden. Was selten gut endet? Ein zu grosser Altersunterschied und Sex nach dem ersten Date. Ich mache das jetzt seit zehn Jahren. Aber ich hatte noch nie so viel zu tun wie nach dem Lockdown wegen Corona. Wer so lange so allein daheimsitzen musste, will das offenbar kein zweites Mal erleben. Partnervermittlung ist vielen peinlich. Selbst bei Hochzeiten dürfen die Gäste nicht wissen, wie sich das Paar kennengelernt hat. Finde ich schade. Ich bin verheiratet. Mit einem Mann, von dem ich wusste, dass er wieder frei ist, und den ich eigentlich bloss für meine Agentur gewinnen wollte. Rein berufliches Interesse. Es wurde dann aber Liebe und Ehe daraus. Sie kennen ihn bestimmt, es ist der «Meteo»-Bucheli vom Fernsehen. Warum eine Partnervermittlung? Weil es die Interessierten hier wirklich ernst meinen. Die Hürden sind hoch. Sie müssen mich anrufen, vorbeikommen, sich offen und ehrlich meinen Fragen stellen und einen verbindlichen Vertrag eingehen. Wer all das macht – ist wirklich bereit. Ob ich Ihnen nach unserem Gespräch jetzt eine passende Frau wüsste? Dazu hätten wir mehr über Sie und weniger über mich sprechen müssen. Aber ja, doch … Ich wüsste da schon ein paar tolle Frauen in Ihrem Alter.

Zeitungsausschnitt von freieherzen.ch im Schweizer Illustrierte vom September 2021