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Angst vor zweitem Lockdown sorgt für Zulauf bei Partnervermittlungen

Wer Kathrin Grüneis, Partnervermittlerin in Zürich, ein Mail schickt, bekommt die automatische Rückmeldung: «Derzeit erhalte ich viele Anfragen und benötige für die Bearbeitung gewisse Zeit.» Das Geschäft mit der Liebe boomt. Sie erlebe «einen Ansturm», sagt Grüneis. «Das ist zum einen saisonal bedingt. Im Herbst und in Hinblick auf Weihnachten steigt das Bedürfnis nach Zweisamkeit.» Hinzu komme die Corona-Krise. «Viele fürchten einen zweiten Lockdown. Den möchten Singles nicht nochmals allein erleben. Deshalb bemühen sie sich zurzeit intensiver, einen Partner, eine Partnerin zu finden.» Laut Bundesamt für Statistik ist jeder Fünfte in der Schweiz Single. Bei den 18- bis 24-Jährigen ist der Anteil auf über 50 Prozent gestiegen. Auch in den meisten anderen Altersgruppen sind Singles auf dem Vormarsch. Sie nutzen für die Partnersuche klassische Partnervermittlungen, andere versuchen es mit Dating-Plattformen. Die Kuppel-App Tinder zählt 2020 weltweit 6,2 Millionen Mitglieder. Pro Woche gibt es 1,5 Millionen Dates. Zahlen für die Schweiz gibt das Unternehmen nicht bekannt. Beim Onlinedienst Parship haben sich letztes Jahr 1,9 Millionen Mitglieder registriert, davon mehr als 150’000 in der Schweiz. «Die Zahl der Neuanmeldungen steigt stetig», sagt Parship-Sprecherin Stella Zeco. Dass die Zahl der Singles zunehme, habe gesellschaftliche Gründe, sagt Grüneis. «Früher war man nach einer Scheidung geächtet und gerade als Frau ruiniert. Heutzutage sind viele Frauen wirtschaftlich unabhängig.» Um so mehr Gewicht bekommt der Wunsch nach der «wahren grossen Liebe», bei Frauen wie bei Männern. «Damit steigen natürlich auch die Anforderungen an einen möglichen Partner», sagt Grüneis. Das schlägt sich in der Statistik nieder. Jeder dritte Single ist gemäss einer Erhebung von Parship länger als drei Jahre allein. 30 Prozent geben zudem an: «Ich bin vermutlich zu anspruchsvoll.» Ein weiterer Grund: Der Wunsch nach Unabhängigkeit. «Single zu sein, ist heute kein Stigma mehr», sagt Parship-Psychologin Dania Schiftan. Das gelte nicht nur für die Frauen. Auch für Männer habe sich die Situation geändert. «Es geht heute nicht mehr nur darum, zu arbeiten und eine Familie zu gründen», sagt Schiftan. Die Freiheit und die Möglichkeiten, wie man sein Leben führen könne, hätten zugenommen. Trotz alledem sagt die Psychologin: «Bei vielen Frauen und Männern gibt es auch heute eine grosse Sehnsucht nach einer Partnerschaft.»

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Zeitungsausschnitt von freieherzen.ch in der Single Sonntagszeitung vom September 2020